Erwin Olaf – Muses

Das Gesicht ist nicht, was wir zeigen – es ist, was wir verbergen. (Erwin Olaf)

Erwin Olaf (1959–2023) ist einer der wichtigsten niederländischen Fotografen. Er war ein Ausnahmekünstler, dessen fotografisches Werk nicht nur ästhetisch brilliert, sondern stets auch gesellschaftlich provoziert, bewegt und sensibilisiert.

Nach seiner bahnbrechenden Ausstellung im Stedelijk Museum, Amsterdam, zeigt f³ – freiraum für fotografie die erste umfangreiche Werkschau des Fotografen in Berlin. Erwin Olaf – Muses widmet sich ganz den Porträts des Künstlers, einem zentralen, aber oft übersehenen Aspekt seines Œuvres. Im Fokus stehen intime, direkte, schonungslose und zugleich stilisierte Studien des Menschen, seiner Sehnsüchte, Identitäten und Maskierungen. Die Präsentation verzichtet bewusst auf Olafs große theatralische Inszenierungen und opulente Szenerien und lenkt die Konzentration auf das Gesicht seiner Protagonist*innen als Spiegel der Persönlichkeit, als Bühne für Emotion, Verletzlichkeit, Stolz und Widerstand.

Eine zentrale Rolle in der Ausstellung nehmen Erwin Olafs frühe Schwarzweiß-Porträts ein – roh, direkt und von subversiver Energie. In diesen Fotografien manifestiert sich sein rebellischer Geist. Sie zeigen Männer aus der niederländischen Schwulenszene, Aktivist*innen, Drag-Performer*innen und gesellschaftliche Außenseiter*innen. Als Pionier queerer Sichtbarkeit gab Erwin Olaf bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren denjenigen ein Gesicht, die jahrzehntelang aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen waren. In Zeiten von HIV-Stigmatisierung und konservativer Moral entwarf er mit seinen Porträts ein neues queeres Selbstbild – selbstbewusst, sinnlich, melancholisch und politisch. Olaf schuf Bilder, die nicht nur ästhetisch wirkten, sondern auch ein emanzipatorisches Potenzial entfalteten. Seine Serie Ladies Hats etwa spielt mit Geschlechterrollen und modischer Haltung und zelebriert den Flirt mit den Betrachtenden. 

In seiner Serie Squares (1983–2018) entwickelte Olaf eine neue Bildsprache: streng komponierte Einzelporträts, die dennoch intime Momente seelischer Tiefe offenbaren. Die Gesichter der Porträtierten – oft stumm und introvertiert – spiegeln Stärke, Entschlossenheit, Verlust und Konformitätsdruck. Gerade durch die Reduktion auf Gesichtsausdruck und Blick entsteht eine emotionale Wucht, die auch ohne Kulisse berührt.

Auch sich selbst hat Erwin Olaf regelmäßig fotografisch in Szene gesetzt, nicht aus Eitelkeit, sondern als künstlerischen Akt der Selbstvergewisserung. Seine Selbstporträts sind Maskenspiele und Reflexionen über Alter, Sexualität, Krankheit und Vergänglichkeit. Besonders eindrücklich sind jene Arbeiten, die er nach seiner Lungenerkrankung schuf: schonungslos, fragil, aber nie weinerlich. Es sind ungeschönte Zeugnisse von Vergänglichkeit.

Biografie
Erwin Olaf (1959, Hilversum – 2023, Groningen) war ein niederländischer Fotograf. Er studierte Journalismus an der School voor Journalistiek Utrecht und wandte sich in den frühen 1980er-Jahren der Fotografie zu. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Museen und Institutionen gezeigt, darunter im Rijksmuseum Amsterdam, im Museum of Modern Art New York, im Fotomuseum Den Haag sowie im Stedelijk Museum Amsterdam. Neben seiner künstlerischen Praxis arbeitete Olaf auch im kommerziellen Bereich und realisierte Kampagnen und Editorials für internationale Kunden und Magazine. Darüber hinaus fotografierte er offizielle Porträts, unter anderem für das niederländische Königshaus.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Nadine Barth (@barthouseprojects) und Katharina Mouratidi (f³ – freiraum für fotografie), in Zusammenarbeit mit Shirley den Hartog (Foundation Erwin Olaf).

ERÖFFNUNG: Fr., 26. Juni 2026, 19–21 Uhr. Eintritt frei!
Grußworte: Yolande Melsert, Botschaftsrätin, Botschaft des Königreichs der Niederlande. Einführung: Nadine Barth (@barthouseprojects) im Gespräch mit Shirley den Hartog (Foundation Erwin Olaf).

Bild: Self-Portrait, Triptych – I Wish, I Am, I Will Be, 2009 © Erwin Olaf / Courtesy: Galerie Ron Mandos – Amsterdam

In Kooperation mit

Mit freundlicher Unterstützung

Förderverein
– freiraum für fotografie e. V.